ROUNDUP: Aufzugsparte von Thyssenkrupp soll profitabler werden
11.12.19 / 14:28:21
LONDON (dpa-AFX) - Die vor der Trennung von Thyssenkrupp stehende Aufzugsparte will ihre Profitabilität in den kommenden Jahren deutlich verbessern. Dazu soll die Angebotspalette standardisiert, die Produktion verbessert und die Verwaltung schlanker aufgestellt werden, wie Thyssenkrupp am Mittwoch an seinem Kapitalmarkttag in London mitteilte. So sollen in der Verwaltung etwa durch die Verlagerung von Funktionen sowie die Verbesserung der IT in den kommenden drei Jahren weltweit rund 80 Millionen Euro brutto gespart werden.

Den Markt für Aufzüge und Fahrtreppen hält Spartenchef Peter Walker für attraktiv. 'Wir erwarten, dass der Markt langfristig wachsen wird', erklärte er und hob hervor, dass sich der Markt auch in der Vergangenheit als robust gegenüber konjunkturellen Schwankungen erwiesen habe. Allerdings sieht der Manager bei der Profitabilität Handlungsbedarf, insbesondere in den Regionen Europa und Asien-Pazifik.

So liegt etwa das europäische Geschäft mit einer bereinigten operativen Marge (Ebit) von 10,6 Prozent unter dem Spartenschnitt und hinkt dem profitabelsten Markt Amerika deutlich hinterher. Walker sieht dabei ein Steigerungspotenzial von rund vier Prozentpunkten aus eigener Kraft. Vier Werke betreibt die Thyssenkrupp-Aufzugsparte in Europa, davon zwei in Deutschland. Hier sieht der Manager einen erheblichen Restrukturierungsbedarf. Insbesondere die Kosten seien in Hamburg und dem baden-württembergischen Neuhausen zu hoch. Hamburg leide zudem unter geringen Volumina. Inwiefern Arbeitsplätze von der Restrukturierung betroffen sind, blieb zunächst offen. Jedoch erklärte Walker, mit den Arbeitnehmervertretungen im Gespräch zu sein.

Insgesamt betreibt die Aufzugsparte von Thyssenkrupp zwölf Werke - vier in Europa, sechs in Asien sowie zwei in Nordamerika. Der amerikanische Markt ist dabei der gewinnträchtigste, er trägt mehr als die Hälfte zum bereinigten operativen Ergebnis des Aufzuggeschäfts bei. Die entsprechende Marge beziffert Thyssenkrupp auf 15,1 Prozent. Und auch zum Umsatz trägt die Region mit 41 Prozent am stärksten bei, gefolgt von Asien mit 28 Prozent und Europa mit 26 Prozent.

Die Aufzugsparte von Thyssenkrupp ist hinter Otis, Schindler und Kone die Nummer Vier in der Welt und kommt mit 50 000 Mitarbeitern auf einen Jahresumsatz von rund 8 Milliarden Euro. Das Marktvolumen bezifferte Walker auf weltweit etwa 50 Milliarden Euro. Schätzungen zufolge dürfte die Industrie bis 2024 um mehr als 3 Prozent jährlich zulegen. Etwas stärker dürfte dabei mit 4 Prozent das Servicegeschäft wachsen. Dabei profitiert der Markt von der zunehmenden Urbanisierung.

Dienstleistungen sind dabei das wichtigste Produkt der Aufzugsparte von Thyssenkrupp. Das Geschäft soll ausgebaut und weiterentwickelt werden. Dabei wartet und pflegt Thyssenkrupp nicht nur seine eigenen Aufzüge, sondern auch die anderer Hersteller. Dabei setzte Thyssenkrupp auch auf die zunehmende Digitalisierung: Die digitale Anwendung Max soll die Effizienz steigern und dem Kunden neue Dienste anbieten.

All das soll helfen, die bereinigte operative Marge (Ebit) der Sparte im Geschäftsjahr 2020/21 von derzeit rund 11 Prozent auf 11,5 bis 13 Prozent zu verbessern. Der Umsatz soll in den nächsten beiden Jahren wechselkursbereinigt im niedrigen bis mittleren einstelligen Prozentbereich zulegen.

Der finanziell angeschlagene Stahl- und Industriekonzern Thyssenkrupp will sich von der Aufzugsparte trennen, um seine Sanierung zu finanzieren. Wie dies geschehen soll - ob durch einen Teil- oder Komplettverkauf oder einen Börsengang - ist noch offen. Eine Entscheidung soll im ersten Quartal kommenden Jahres fallen, bekräftigte Thyssenkrupp.

Die Ausgliederung in ein eigenständiges Unternehmen soll bis Jahresende abgeschlossen sein. Dabei liege Thyssenkrupp im Zeitplan, sagte Konzernfinanzchef Johannes Dietsch. 'Am Ende werden wir uns für die Option entscheiden, die für den Konzern, seine Aktionäre, Kunden und Mitarbeiter, aber auch für das Aufzuggeschäft das Beste ist.' Dass das Geschäft attraktiv sei, zeigten die ersten indikativen Angebote von Finanz- und strategischen Investoren. Analysten trauen dem Aufzuggeschäft einen Wert von bis zu 17 Milliarden Euro zu./nas/bgf/jha

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